Ich reise, also bin ich

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Ich reise, also bin ich

Da wir Reisen immer eigenverantwortlich organisieren, ist klar, dass wir auch unser monatelanges Unterwegssein nicht einem Veranstalter überlassen. Wir nehmen es also selbst in die Hand. Die Route für den ersten Teil wird bewusst ohne Details geplant: Indien wollen wir von Nord nach Süd durchqueren und dort, wo wir Highlights finden Schwerpunkte zu setzen. Gebucht wird lediglich die Unterkunft für unseren Ankunftstag, dann wird vor Ort entschieden, wie es weiter geht.

Indien ist nicht ganz neu für uns. Wir kennen einiges im Nordosten und Nordwesten, allerdings unter ganz anderen Rahmenbedingungen. Kurze Reisen, von drei bis vier Wochen werden eben anders angegangen, weil man pünktlich zurück am Arbeitsplatz erwartet wird und finanziell besser ausgestattet ist, als Leute, die auf Transferzahlungen angewiesen sind.

Zunächst und ohne weitere Hintergedanken entscheiden wir, unsere Reisen künftig zu dokumentieren und in einem Blog zu veröffentlichen. Dass uns damit eine Menge Arbeit beschert wird, merken wir erst später. Zufall oder Glückes Geschick: Mit der selbstgewählten Aufgabe, das Bloggen zu erlernen und vorzeigbare Ergebnisse zu präsentieren, sorgen wir dafür dass es nie langweilig wird. Außerdem haben wir immer eine anspruchsvolle Aufgabe. Reisen ist ja nicht nur Selbstzweck, sondern kann durchaus Sinn stiften, in einer höheren Bedeutung.

Indien wird ein Erfolg, in vielerlei Hinsicht. Was wir erleben und wie wir es angehen, beschreiben wir im Blog und illustrieren es mit Unmengen an Fotos. Im Bewusstsein, dass drei Monate Indien nicht nur ungeheuer interessant und eindrucksvoll sind, sondern in dieser erlebten Wucht auch eine Bestätigung sind, es überall schaffen zu können, tauchen wir relativ gelassen in Südostasien ein.

Singapur, Thailand, Laos, Kambodscha präsentieren ein komplett anderes Gesicht Asiens. Was wir an Vorurteilen mitbringen, guten wie schlechten, müssen wir revidieren. Die Methode: „Reset + neue Sicht“ empfiehlt sich übrigens überall, selbst wenn man nicht unterwegs ist. Auch diese Region beeindruckt uns sehr. Dort gewesen zu sein, heißt nicht, etwas als erledigt abzuhaken, es ist genau andersherum. Je mehr du kennen lernst, desto größer wird die Neugierde auf den Rest.

Nach einer Zäsur, mit kurzem Heimataufenthalt, der ursprünglich nicht geplant ist, entscheiden wir uns eher zufällig, den April und die ersten Maiwochen in Indonesien zu verbringen. Ausschlaggebend ist der Tip zweier junger Holländerinnen und die Wetterlage, denn auf die ganz große Hitze weiter nördlich haben wir wenig Lust. Indonesien erweist sich als der Knaller. Ein Land, das wir bisher eher unterschätzt haben, was die Reisemöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und Lebensqualität von Touristen angeht.

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Wo wir heute stehen

Was mit uns passiert wird erst allmählich in der Reflektion fassbarer. Älter sind wir und weiser, seit der Entscheidung, mehr Zeit in der Ferne zu verbringen. Und um keine Zweifel aufkommen zu lassen, für uns gilt weiterhin: „Nach der Reise ist vor der Reise“. Aber anders, als am Anfang beabsichtigt, schöpfen wir unsere Möglichkeiten lockerer aus. Wir wissen nun, dass es uns nicht darauf ankommt, Abwesenheitsrekorde zu brechen, sondern dass wir auch unser Zuhause brauchen.

Die sozialen Kontakte in der Heimat, die Aufgabe, dort alles up to date zu halten, sind nicht zu unterschätzen. Das machen wir gerne, genießen auch, was anderswo nicht immer so einfach ist, nämlich unsere Leidenschaft, das Laufen. Dabei klingt es eigentlich so einfach: Sportsachen + Laufschuhe einpacken, deine Runden kannst du überall drehen. Aber dann bist du in einem Dorf, vor jedem Haus ein knurriger Pitbullverschnitt und Leute, auf die Jogging wirkt für uns Michael Jacksons Moonwalk. Das feuchtheiße Wetter gibt den Ausschlag, Du verschiebst deine Laufeinheit auf den St. Nimmerleinstag. Zuhause ist das natürlich anders.

Anstatt wie früher Reisen in vielen Details präzise vorzuplanen, funktioniert es heute anders. Wir haben den Mut zur Lücke, lassen uns lieber vor Ort inspirieren und disponieren dann ad hoc. Was wir uns zumuten dürfen, können wir inzwischen konkreter einschätzen. Wir kennen die Verhältnisse anderswo besser, das macht selbstbewusst. Wir haben gelernt, zufriedener unterwegs zu sein, weil wir Ziele und Erwartungen realistisch ansetzen. Meistens übertrifft ja die Wirklichkeit doch wieder die Erwartungen, das nehmen wir als Geschenk gerne an.

Bestätigt haben wir für uns selbst, dass sich Herausforderungen auch in unserem Alter meistern und schwierige, ungewohnte Situationen beherrschen lassen. Das kommt uns überall zugute. Ganz wichtig, Reisen in Länder mit komplett anderen Kulturen schärfen unseren Blick und relativieren den eigenen Horizont.

Die wichtigste Erkenntnis ist, wir spüren, unsere Art zu reisen erhält uns jung. Körper und Kopf werden gefordert, ebenso die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und auf Menschen zuzugehen. Wir bleiben dialogfähig, haben nette Erlebnisse mit anderen Travellern und Einheimischen, kurz – wir lernen ständig dazu. Kann sein, dass wir damit den Jungbrunnen entdeckt haben. Auf jeden Fall bleibt unsere Leben weiter spannend und macht uns neugierig auf die Zukunft.


Logo AAutoren: Ars und Christiane dokumentieren auf ihrem Blog W.E.G.  – Worldwide Elderly Getaways! BestAger unterwegs, was sie beim Bereisen von Nah und Fern erleben und geben Tipps zu Kosten, Planung und Sicherheit auf Reisen.


 
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